PODCAST-FOLGE

Selbstbewusstsein, wie du dem Finanzamt auf Augenhöhe begegnest | mit Sascha Ehlers

Folge 61 · Teil 2 von 2 mit Sascha Ehlers
Die Reihe mit Sascha Ehlers
Teil 1 Teil 2 · du bist hier

Sascha Ehlers redet Klartext über das, worüber viele Selbstständige lieber schweigen. Im zweiten Teil unseres Gesprächs geht es ums Finanzamt, um Selbstbewusstsein und um die Frage, warum ausgerechnet Prioritäten über deinen Erfolg entscheiden. Sascha erzählt aus seiner eigenen Erfahrung als Energieberater und Bausachverständiger, mal mit Ärger, mal mit einem Lachen, immer offen.

Das Finanzamt, dein größter Kostenblock

Sascha macht keinen Bogen um das unangenehmste Thema. Wer finanziellen Erfolg hat, sagt er, landet schnell in der höchsten Steuerlast, und genau da wird die Steuer zur größten Ausgabe überhaupt. Er beschreibt, wie ihm einmal fünfzehntausend Euro Werbekosten nachträglich gestrichen wurden, aus seiner Sicht zu Unrecht, und wie aus gekürzten Betriebsausgaben plötzlich mehr Gewinn und damit mehr Steuer wurde. Er hat dagegen geklagt und wartet bis heute auf eine Entscheidung. Für ihn steckt darin eine schlichte Lehre. Behalte deinen größten Kostenblock im Blick, und frag bei einer größeren Ausgabe lieber vorher nach, ob sie als Betriebsausgabe zählt. Das ist seine Erfahrung, kein Steuertipp, aber es zeigt, wie viel Aufmerksamkeit dieses Thema verdient.

Selbstbewusstsein kriegt man nicht geschenkt, das ist hartes Lernen.

Bin ich hier der Chef im Ring?

Der Satz fällt bei Sascha fast beiläufig, und er sagt viel über sein Selbstverständnis. Er will dem Finanzamt nicht als Bittsteller gegenübertreten, sondern auf Augenhöhe. Aus diesem Gefühl heraus hat er eine seiner Firmen in ein anderes Bundesland verlegt, ausdrücklich auf legalem Weg und innerhalb der gesetzlichen Grenzen, wie er mehrfach betont. Ihm geht es dabei weniger um den einzelnen Kniff als um das Gefühl dahinter, nicht ohnmächtig zu sein. Die gesetzlichen Grenzen gelten, sagt er selbst, die sind nicht verhandelbar. Was er meint, ist die innere Sicherheit, mit der du deinen eigenen Angelegenheiten begegnest.

Selbstbewusstsein kannst du lernen

Woher nimmt man dieses Selbstvertrauen? Geschenkt bekommt man es nicht, sagt Sascha, das ist hartes Lernen. Für ihn hieß das, aus der Komfortzone zu gehen und Dinge zu tun, die vorher undenkbar waren, Videos aufnehmen zum Beispiel oder auf Facebook live zu gehen und einfach mal Hallo zu sagen. Dass man sich dabei verspricht, findet er sogar gut, weil es echt wirkt. Mit jedem Mal wird man sicherer, die Ähs und Ös verschwinden, und die Leute wollen mit dir zu tun haben. Sein Maßstab dahinter ist einfach. Werde für andere nützlich, dann kommen die Aufträge, und mit den Erfolgserlebnissen wächst das Selbstbewusstsein von allein.

Prioritäten, statt leeres Stroh zu dreschen

Zum Selbstbewusstsein gehört für Sascha eine zweite Fähigkeit, das Setzen von Prioritäten. Er nennt es leeres Stroh dreschen, wenn man sich mit den angenehmen Aufgaben beschäftigt, die einen aber nicht weiterbringen. Wer wirklich vorankommt, sagt er, wählt bewusst die Aufgaben, die Erfolge bringen, auch wenn sie unbequem sind. Das Finanzamt steht bei ihm genau deshalb ganz oben, weil dort das meiste Geld auf dem Spiel steht. Dazu gehört auch, Arbeit abzugeben, sobald man merkt, dass die Zeit nicht reicht. Auch das, sagt Sascha, ist ein Stück Selbstbewusstsein.

Ein Fachmann über Immobilien

Beim Thema Immobilien wird Sascha zum Energieberater, und hier gibt er handfeste Einordnung aus seiner Praxis. Wer heute kauft, sollte aus seiner Sicht auf das Baujahr und den energetischen Stand achten, weil ältere Häuser schnell teure Sanierungen nach sich ziehen. Häuser ab einem bestimmten Dämmstandard seien dagegen fast Selbstläufer. Sein Bild dazu bleibt hängen. Zwei, drei dicke Jacken wärmen, die vierte und fünfte bringen kaum noch etwas, und genauso ist es mit der Dämmung, ab einem gewissen Punkt lohnt jede weitere Schicht kaum. Das ist seine fachliche Sicht aus dem Gespräch, keine Kaufberatung, aber ein Blick darauf, worauf ein Energieberater achtet.

Sein eigenes offenes Feld

Bemerkenswert offen ist Sascha bei sich selbst. Immobilien nennt er seine eigene Hausaufgabe, die Komfortzone, aus der er noch heraus muss. Er habe kein Vermögen und kein passives Einkommen, für jeden Euro müsse er arbeiten. Fünftausend Euro von seinem verstorbenen Vater, mehr hat er nie geerbt, alles andere hat er selbst aufgebaut. Genau darin sieht er ein Erfolgsprinzip. Wer bei null anfängt und nichts geschenkt bekommt, geht eher die Extrameile.

Zum Ausprobieren

Nimm dir in dieser Woche eine einzige Sache vor, die dich Überwindung kostet. Ein kurzes Video, ein Livevideo, ein Anruf, den du sonst aufschiebst. Mach ihn einmal und schau, wie es sich danach anfühlt.

Und bei deiner nächsten größeren Ausgabe frag vorher nach, ob sie als Betriebsausgabe zählt. Das erspart dir die böse Überraschung im Nachhinein.

Warum er die freie Zeit zu 150 Prozent nutzt

Zum Schluss wird es persönlich. Saschas Vater ist mit siebzig gestorben, er selbst ist fünfundfünfzig, und diese Rechnung treibt ihn an. Von seinem Tag bleiben ihm, sagt er, oft nur zwanzig Prozent für das eigene Wachstum, achtzig gehen ins Tagesgeschäft. Diese zwanzig Prozent aber nutzt er voll aus. Er ist überzeugt, dass der Körper mitmacht, wenn man das tut, wozu man Lust hat, dass man dann besser regeneriert und das Gefühl bekommt, noch gebraucht zu werden. Wer krank ist, nimmt er ausdrücklich aus, das steht auf einem anderen Blatt. Sein Punkt gilt allen, die gesund sind und trotzdem in der Komfortzone auf den Erfolg warten. Der kommt nicht von selbst, man muss rausgehen und das anbieten, wofür die Leute bereit sind zu zahlen.

Franks drei Learnings

Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt

  1. Behalte deinen größten Kostenblock im Blick und frag bei großen Ausgaben lieber vorher nach.
  2. Selbstbewusstsein wächst mit Erfolgserlebnissen, also geh die unbequeme Sache an.
  3. Setz Prioritäten auf das, was dich weiterbringt, nicht auf das Angenehme.

Was du mitnehmen kannst

Wenn ich diesen zweiten Teil auf einen Satz bringe, dann diesen. Erfolg braucht Selbstbewusstsein, und Selbstbewusstsein entsteht dort, wo du das Unbequeme tust und deine Prioritäten ernst nimmst.

Das war Teil 2 von zwei mit Sascha Ehlers. In Teil 1 ging es um die Komfortzone und um Ausdauer, den Anfang seiner Geschichte. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören. Mehr über Sascha Ehlers findest du weiter unten.