Weltraumkapitalismus, warum Private den Staat überholen | mit Rainer Zitelmann
Diese Folge mit Dr. Dr. Rainer Zitelmann dreht sich um sein neues Buch Weltraumkapitalismus, sein einunddreißigstes. Zitelmann hat sich zwei Jahre lang durch über hundert Fachbücher und Hunderte Aufsätze gearbeitet, um eine Frage zu klären. Warum entwickelt sich die Raumfahrt genau umgekehrt zum Rest der Welt, hin zu mehr privat und weniger Staat? Das ist seine Analyse aus dem Buch.
Was Erfolg für ihn bedeutet
Für Zitelmann ist Erfolg schlicht, das zu erreichen, was er sich vornimmt. Wer sich große Dinge vornimmt, hat großen Erfolg, wer sich kleine vornimmt, kleinen. Genau in diesem Sinn hat er sich mit dem Weltraum ein sehr großes Thema vorgenommen.
Warum die Raumfahrt privat wird
Zitelmanns Ausgangspunkt ist ein Kontrast. Während weltweit der Staat größer wird und der Markt kleiner, läuft es in der Raumfahrt umgekehrt. In den letzten rund zwanzig Jahren hat sich hier mehr private Wirtschaft durchgesetzt. Angeknüpft hat er dabei an ein Kindheitsinteresse, mit elf Jahren gab er zur ersten Mondlandung eine Schülerzeitung über Raumfahrt heraus.
Die lange Stagnation nach dem Mond
Nach den Mondlandungen ab 1969 kam eine lange Phase der Enttäuschung, erzählt Zitelmann. Das wichtigste Projekt, das Space Shuttle, blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Geplant waren nach seinen Angaben bis zu hundertvierzig Flüge pro Jahr, in dreißig Jahren wurden es hundertfünfunddreißig. Ab 2011 konnten die USA ihre Astronauten nicht mehr selbst zur Raumstation bringen und mussten teuer auf russische Raketen ausweichen.
Der Faktor Musk
Der Wendepunkt kam mit Elon Musk und SpaceX. Nach Zitelmanns Zahlen senkte Musk die Kosten, ein Kilogramm ins All zu bringen, um rund fünfundneunzig Prozent, vor allem durch wiederverwendbare Raketen. Eine seiner Falcon-9-Raketen sei bereits über dreißigmal geflogen. Heute stammt mehr als die Hälfte aller Raketenstarts weltweit von SpaceX allein.
China holt auf, Europa reguliert
Als eigentlichen Wettbewerber sieht Zitelmann heute China. Dort ist die Raumfahrt zwar staatlich dominiert, doch inzwischen sind auch private Unternehmen erlaubt, die vieles kopieren und aufholen. Europa dagegen sieht er weit abgeschlagen, mit wenigen Raketenstarts und einem Hang zum Regulieren. Sein Beispiel: Während Brüssel an umfangreichen Weltraumgesetzen arbeitet, entstehen die erfolgreichen Firmen anderswo.
Was Anreize verändern
Ein Gedanke lässt sich weit über den Weltraum hinaus übertragen. Zitelmann beschreibt das alte Modell, bei dem Zulieferer ihre Kosten erstattet bekamen und einen Aufschlag oben drauf, was den Anreiz schuf, die Kosten immer weiter zu erhöhen. Musk vereinbarte stattdessen Festpreise, ähnlich wie ein Paketdienst. Erst dadurch entstand ein echter Grund, günstiger zu werden. Wer verstehen will, warum manches teuer bleibt, sollte auf die Anreize schauen.
Schau bei einem festgefahrenen Projekt auf die Anreize. Belohnt das System gerade das Sparen oder das Ausgeben? Oft erklärt das mehr als jede Einzelmaßnahme.
Nimm dir wie Zitelmann ein Thema vor, das dich schon als Kind fasziniert hat, und geh ihm einmal richtig auf den Grund.
Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt
- Wettbewerb und private Initiative können enorme Kosten senken.
- Die richtigen Anreize entscheiden, ob Kosten steigen oder fallen.
- Europa droht beim Weltraum eine große Chance zu verpassen.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Wettbewerb und die richtigen Anreize bringen oft mehr voran als guter Wille allein, im Weltraum wie in der Wirtschaft. Zitelmann arbeitet bereits am nächsten Buch, es geht um den Glauben, dass einer nur gewinnen kann, wenn ein anderer verliert.
Das war die Folge mit Dr. Dr. Rainer Zitelmann. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.