PODCAST-FOLGE

Hochsensibilität als Stärke, so gehst du mit Reizüberflutung um | mit Nadine Prager

Folge 15 mit Nadine Prager

Nadine Prager ist Grundschullehrerin, arbeitet für die Schulaufsicht und begleitet hochsensible Lehrkräfte. Sie ist selbst hochsensibel und weiß, wie viele Reize der Alltag mit sich bringt. Ein Gespräch darüber, was Hochsensibilität bedeutet, wie man mit Reizüberflutung umgeht und warum diese Feinfühligkeit eine Stärke sein kann.

Erfolg hat für sie zwei Seiten

Für Nadine besteht Erfolg aus zwei Teilen. Der eine ist finanzielle Freiheit, sich das Leben leisten zu können, das sie sich vorstellt, ohne ständig nachrechnen zu müssen. Der andere ist ihr fast wichtiger. Sie möchte etwas hinterlassen, Menschen mitnehmen und unterstützen, damit auch das Schwere aus ihrem eigenen Leben zu etwas Gutem wird.

Erfolg heißt für mich auch, etwas Nützliches zu hinterlassen.

Was Hochsensibilität bedeutet

Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Wesensmerkmal, das nach gängiger Einschätzung etwa jeden fünften Menschen betrifft. Nadine erklärt es mit dem Bild eines Siebs. Bei feinfühligen Menschen sind die Poren größer, es kommt einfach mehr durch, ob Lärm, Licht, Gerüche oder Anforderungen. Man kann seine Sinne nicht abschalten, aber man kann lernen, die eigene Kapazität zu vergrößern und besser damit umzugehen.

Bei feinfühligen Menschen kommt einfach mehr durch das Sieb.

Reize reduzieren und das Handy weglegen

Ihr erster Schritt ist, Reize so weit wie möglich zu reduzieren. Feste Me-Time, Stille aushalten, auch mal Ohrstöpsel rein und die Augen zu. Das Handy sieht sie als natürlichen Gegner. Ihr Rat, den sie von ihrer Mentorin hat, lautet, erst das Wichtige zu produzieren und dann erst zu scrollen. Beim Hundespaziergang lässt sie es gern zu Hause. Social Media zeigt ohnehin meist nur die schöne Seite, der Vergleich zieht dich nur runter.

Du musst nicht immer verfügbar sein.

Sanft in den Tag starten

Die ersten Sekunden nach dem Aufwachen sind für Nadine besonders wertvoll, weil man noch in einem ruhigen, halb meditativen Zustand ist. Statt sofort zum Handy zu greifen und in die Termin-Panik zu rutschen, empfiehlt sie einen ersten positiven Gedanken. Von überladenen Morgenroutinen hält sie wenig, gerade für feinfühlige Menschen. Ein guter innerer Zustand, genug trinken und eine solide Basis am Morgen sind ihr wichtiger als eine lange Liste.

Starte langsam, ein positiver Gedanke schlägt den Griff zum Handy.

Misserfolg gehört dazu, sei gut zu dir

Nadine ist selbst oft auf die Nase gefallen und sieht Misserfolg als festen Teil des Lebens. Erst dadurch kann man die Erfolge überhaupt schätzen. Wichtig ist ihr, sich nicht dafür zu verurteilen, wenn etwas nicht klappt oder es ein paar Schritte zurückgeht. Ein großes Thema in ihrer Arbeit ist der Self-Talk, wie du mit dir selbst sprichst. Genau da kann jeder anfangen, denn von außen prasselt ohnehin genug ein.

Sei nicht so hart mit dir selbst, das ist einfach menschlich.

Ihr Weg aus der Überlastung

Es gab eine Zeit, in der Nadine nahe am Ausbrennen war. Sie war immer verfügbar, beantwortete abends noch Elternmails und wollte es allen recht machen, bis sie im Drei-Wochen-Takt krank wurde. An diesem Punkt hat es klick gemacht. Sie hat einen Schritt zurückgemacht, arbeitet heute für das Schulamt und hat ein eigenes Business aufgebaut. Unterm Strich leistet sie mehr als vorher, doch es strengt sie weniger an, weil sie wieder in ihrer Energie ist.

Grenzen setzen, für sich und für Kinder

Weil Kinder noch nicht für sich einstehen können, sieht Nadine hier vor allem die Eltern in der Verantwortung. Nicht in Watte packen, aber ein gesundes Maß finden, etwa nach einem reizvollen Tag nicht noch stundenlang durch den Adrenalinpark springen. In der Schule fehlt für feinfühlige und neurodivergente Kinder oft der Raum, weil dreißig Kinder je ein eigenes Bedürfnis haben. Umso wichtiger sind Pausen, Rückzugsorte und bewusste Grenzen zu Hause.

Das Nervensystem beruhigen

Ihr praktischster Rat ist, das Nervensystem über den Tag verteilt immer wieder herunterzufahren. Sie nennt es die Zehn-Minuten-am-Tag-Methode. Kurze bewusste Momente, eine Atemübung, sich erden, und zwar nicht erst abends um sechs, wenn man längst durch ist, sondern immer wieder zwischendurch. Was dabei hilft, ist individuell. Der eine braucht Bewegung, für den anderen wäre genau die gerade zu viel.

Zehn Minuten am Tag reichen, wenn du sie bewusst einplanst.
Zum Ausprobieren

Plan dir feste kleine Ruhemomente über den Tag ein, nicht erst am Abend. Schon zehn Minuten bewusstes Durchatmen holen dein Nervensystem herunter.

Dreh die Reihenfolge am Handy um. Produziere oder erledige zuerst das Wichtige, danach darfst du scrollen.

Franks drei Learnings

Was ich aus dem Gespräch mitnehme

  1. Feinfühligkeit ist kein Makel, sie ist eine Stärke.
  2. Reduziere Reize und nimm dir bewusst Zeit für dich.
  3. Sprich freundlich mit dir selbst, gerade nach einem Rückschlag.

Was du mitnehmen kannst

Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Achte auf deine Reize, gönn dir echte Ruhemomente und geh freundlich mit dir um. Nadines wichtigste Botschaft gilt für alle, ob feinfühlig oder nicht. Wenn du weißt, wie du mit deiner Sensibilität umgehst, kann aus einer vermeintlichen Schwäche eine echte Superkraft werden.

Das war das Gespräch mit Nadine Prager. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.