FOLGE 73

Wenn du deine Gefühle wegdrückst

Ninja Abel über den Weg zurück zu dir selbst

Es gibt diesen einen Moment im Gespräch, an dem Ninja Abel sagt, dass sie irgendwann nicht mehr wusste, wie sich Gefühle überhaupt anfühlen. Sie war dabei nicht traurig, nicht froh, sie fühlte sich einfach leer. Sie hatte so lange alles heruntergeschluckt, dass sie sich selbst kaum noch bemerkt hat.

Ninja Abel war zu Gast im Erfolgsklartext, und es ist eines dieser Gespräche, die ruhig anfangen und dann ziemlich tief gehen. Sie spricht offen darüber, wie unterdrückte Gefühle mit der Zeit Druck aufbauen, wie sehr das eigene Umfeld die eigene Kraft beeinflusst und wie man Schritt für Schritt wieder näher zu sich selbst kommt. Was mir aufällt ist, ihr klarer und ruhiger Ton, auch wenn es um Dinge geht, die alles andere als leicht waren.

Wenn du verlernst zu fühlen

Nach außen war Ninja lange die Starke, die alles mit sich selbst ausmacht. Sie hat früh gelernt, ihre Gefühle nicht zu zeigen, und irgendwann wusste sie gar nicht mehr, wie sich diese Gefühle anfühlen. Wer das nie geübt hat, dem fällt es schwer, überhaupt zu benennen, was gerade in ihm vorgeht.

Woher das kommt, wird im Gespräch greifbar. Als Kind hörte Ninja oft, sie dürfe erst wieder raus, wenn sie lieb sei. Also schluckte sie ihre Wut herunter, immer wieder, bis ein Druck in ihr entstand. Ein Ventil fand sie damals im Sport, da konnte wenigstens ein Teil der Anspannung raus. Viele kennen solche Sätze aus der eigenen Kindheit, und sie prägen länger, als wir denken.

Sie beschreibt es mit einem Bild, das hängen bleibt. Weggedrückte Gefühle sind wie Wasser hinter einem Staudamm. Eine Weile hält die Mauer, dann steigt der Druck, und irgendwann sucht sich das Wasser seinen Weg. Genauso melden sich Gefühle zurück, die wir lange nicht angeschaut haben. Oft zuerst als leise Unruhe, als Müdigkeit, als das Gefühl, neben sich zu stehen.

Der erste Schritt ist deshalb unspektakulär und doch schwer. Sich hinsetzen, kurz die Augen schließen, in sich hineinatmen und einfach wahrnehmen, was da ist. Ninja sagt ehrlich, dass ihr das selbst heute nicht immer leicht fällt, weil Ablenkung bequemer ist als Hinspüren.

Das Umfeld, das dich leer saugt

Ein Moment aus dem Gespräch trifft wohl viele. Ninja hatte eine Freundin, die sie wirklich mochte, und trotzdem ging sie nach jedem Treffen leerer nach Hause, als sie gekommen war. Lange hat sie das gar nicht bemerkt.

Erst als sie bewusster hinschaute, merkte sie, dass der Fokus dieser Freundin immer wieder auf dem Schlechten lag und wie sehr sie das selbst aussaugt. Sie hat daraus keine große Abrechnung gemacht, sondern eine ruhige Entscheidung getroffen und weniger Zeit mit ihr verbracht.

Wichtig ist ihr dabei der Ton. Sie prüft ehrlich, wer ihr gut tut und wer sie dauerhaft auslaugt, und richtet ihre Zeit danach aus. Wir reden oft über Ziele und Disziplin, dabei entscheidet das eigene Umfeld häufig mehr über unsere Energie, als uns lieb ist.

Ständig abgelenkt, und ein Fremder sagt es laut

Eine kleine Szene bringt ein großes Thema auf den Punkt. Ninja saß beim Mittagessen, als sich ein wildfremder Bauarbeiter dazusetzte. Er kannte sie nicht und sagte einfach, was er krass finde, sei, dass wir eigentlich nur noch abgelenkt sind.

Der Satz blieb bei ihr hängen. Wir laufen durch die Straße oder durch den Wald und bekommen die Vögel, die Geräusche und die kleinen Dinge kaum noch mit, weil wir die Stöpsel im Ohr und den Blick am Bildschirm haben. Präsenz beginnt im Kleinen, bei einem Weg ohne Handy, bei einem Essen, bei dem das Telefon einmal in der Tasche bleibt.

Warum wir oft erst spät hinsehen

Ein Muster zieht sich durch das Gespräch. Wenn uns etwas trifft, lenken wir uns ab. Wir essen nebenbei, schalten den Fernseher ein, greifen zum Telefon, nur hinsetzen und fühlen tun wir selten. Das ist verständlich, weil es im Moment leichter ist. Der Preis zeigt sich später, wenn aus der kleinen Unruhe ein größeres Thema wird.

Ninja plädiert nicht dafür, alles zu zerdenken. Sie sagt eher, dass ein kurzer, ehrlicher Blick nach innen oft reicht, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Ein, zwei Minuten am Tag, in denen du wirklich bei dir bist, verändern mit der Zeit mehr als jeder gute Vorsatz.

Zur Ruhe kommen, ganz praktisch

Im Gespräch fällt ein Begriff, den viele danach googeln. Der Nervus Vagus. Das ist der längste Hirnnerv des Menschen. Er zieht vom Kopf bis in den Bauchraum und ist stark daran beteiligt, dass der Körper aus Anspannung wieder in die Ruhe findet. Wer unter Dauerstrom steht, bei dem bleibt dieser Teil des Nervensystems auf Hochtouren, und echte Entspannung wird schwer.

Ninja macht sich das morgens ganz nebenbei zunutze. Beim Eincremen massiert sie sanft den Hals und den Kieferbereich und spürt, wie der Körper ruhiger wird. Sie empfiehlt auch, Tiere zu beobachten. Ein Hund, der sich hinlegt, tief in den Bauch atmet und einfach da ist, zeigt ziemlich genau, wie sich echte Entspannung anfühlt.

Nur der nächste Schritt

Der vielleicht wichtigste Gedanke der Folge ist zugleich der einfachste. Ninja hatte einen sicheren Job im öffentlichen Dienst, der nie ihrer war. Irgendwann stellte sie sich eine einzige ehrliche Frage, ob sie das wirklich ihr Leben lang machen will. Die Antwort war ein klares Nein, obwohl sie noch gar nicht wusste, was stattdessen kommen sollte.

Sie hat trotzdem den Entschluss gefasst und gekündigt. Kein fertiger Plan, kein großes Ziel, nur der eine nächste Schritt, der gerade dran war. Danach kam das Nächste von allein. Diese eine Frage, was ist jetzt der nächste Schritt, lässt sich auf fast alles anwenden. Sie nimmt den Druck raus, sofort das ganze Leben umbauen zu müssen. Du musst das Ziel noch nicht kennen, du musst nur wissen, was als Nächstes dran ist.

Ein kleiner Hebel zum Start hilft vielen. Schreib auf, was dich im Alltag wirklich stört, und dann auf die andere Seite das Gegenteil. So wird oft erst sichtbar, was du eigentlich willst.

Jeden Rückschlag auseinandernehmen

Noch ein Gedanke bleibt hängen. Nach einem Rückschlag fragt sich Ninja vor allem eins, was es ihr am Ende gebracht hat. Sie nimmt die Situation auseinander und schreibt mit. Oft steht dann auf der einen Seite eine überraschend lange Liste mit Dingen, die gut daran waren, und auf der anderen nur zwei, drei Punkte. Das macht aus einem Tiefpunkt keinen Grund zum Feiern, es verschiebt aber den Fokus weg vom reinen Ärger hin zu dem, was dich weiterbringt.

Was du mitnehmen kannst

Vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Punkt wieder. Oft braucht es keinen großen Plan, um etwas zu verändern, sondern den ehrlichen Blick auf das, was gerade nicht stimmt, und einen ersten Schritt. Genau darum geht es im Erfolgsklartext, Menschen und ihre Geschichte hinter der Geschichte sichtbar zu machen, ruhig und ohne große Show.

Am Ende bleibt ein ruhiger, machbarer Gedanke. Du musst dich nicht von heute auf morgen neu erfinden. Es reicht, ehrlicher hinzusehen, dein Umfeld bewusster zu wählen und den nächsten kleinen Schritt zu gehen. Wenn du selbst eine Geschichte hast, die gehört werden sollte, oder jemanden kennst, dann meld dich gern bei Frank.

Mehr über den Gast

Ninja Abel

Ninja ist ganzheitliche Gesundheitscoachin und Mentorin für Frauen, die im Außen funktionieren und innerlich erschöpft sind. Sie verbindet Körperarbeit, Körper-Mobilisierung und Energiearbeit, um den Ursachen körperlicher Symptome auf die Spur zu kommen. Aus ihrer eigenen, langjährigen Erfahrung mit Neurodermitis weiß sie, wie viel im Körper beginnt. Mit ihrer Marke Free Body Line begleitet sie Frauen zurück in ihre Kraft und Klarheit.

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