Nach der Diagnose zurück ins Leben, mit Zuversicht und Dankbarkeit | mit Klaus Brill
Klaus Brill bekam im Februar eine schwere Diagnose, Darmkrebs. Wenige Wochen später wurde er operiert, kurz darauf galt er nach dem Urteil der Ärzte als geheilt. In diesem sehr persönlichen Gespräch erzählt er, wie er die Zeit mit Zuversicht und Dankbarkeit durchgestanden hat, und teilt seine Gedanken zu einem erfüllten Leben. Das ist seine persönliche Erfahrung, kein medizinischer Rat.
Erfolg ist auch das gute Gefühl
Für Klaus heißt Erfolg, die Dinge, die er sich vornimmt, tatsächlich umzusetzen. Und selbst wenn etwas schiefgeht, zieht er daraus eine positive Resonanz. Erfolg ist für ihn nicht nur Jubel und Geld, sondern vor allem das gute Gefühl, etwas erledigt und angepackt zu haben.
Zuversicht statt Angst
Als er die Diagnose erhielt, kam erstaunlicherweise keine Angst, sondern sofort die Zuversicht, dass es gut ausgehen würde. Seine Frau bestärkte ihn direkt, das kriegen wir hin. Geheilt haben ihn die Operation und die Ärzte, denen er zutiefst dankbar ist. Seine innere Haltung, seine Zuversicht und Dankbarkeit, waren seine Art, durch diese Zeit zu kommen. Das war sein persönlicher Weg, kein Rezept und kein medizinischer Rat.
Im Ruhestand eine Aufgabe behalten
Frisch im Rentenalter denkt Klaus nicht daran, sich zurückzulehnen. Er entwickelt Kurse und arbeitet weiter, weil ihn das erfüllt. Sein eindringlicher Rat an alle, die in Rente gehen: Genieße, was dir die Rente ermöglicht, doch behalte eine Aufgabe. Wer keine mehr sieht, sucht sich eine. Aus seiner Kindheit erinnert er sich an Menschen, die nach dem Arbeitsleben nichts mehr vorhatten, und für ihn liegt darin das Traurigste. Sinnvoll alt zu werden, das ist sein Wunsch.
Ikigai, ein Grund, morgens aufzustehen
Klaus lebt seit Jahrzehnten nach Ikigai, einer Lebensart aus Okinawa. Vier Fragen bilden den Kern: Was liebe ich, was kann ich besonders gut, was braucht die Welt und wofür kann ich bezahlt werden. Für ihn ist es mehr als diese vier Kreise, es ist eine Haltung, in der man zuerst für sich selbst sorgt und dann für andere da sein kann. Am Ende geht es um eine Aufgabe, die einen morgens freudig aus dem Bett springen lässt.
Sprich mit dir wie mit einem Freund
Eine Geschichte aus seiner Jugend hat Klaus geprägt. Beim Tischtennis beschimpfte er sich nach einem verlorenen Satz heftig selbst. Sein Vater fragte ihn, warum er seinen Freund, dem es genauso ging, nie so behandeln würde, mit sich selbst aber schon. In dem Moment fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Seitdem redet er nie mehr schlecht über sich, sondern sucht nur noch die Lösung. Seinen Vater nennt er seinen ersten Mentor.
Positiv reden und wirklich zuhören
Als Kommunikationscoach achtet Klaus auf zwei Dinge. Erstens die Sprache. Statt doppelter Verneinung wie nicht schlecht empfiehlt er das klare gut, denn das Gehirn überhört das Wörtchen nicht. Sein Beispiel, denk bitte nicht an einen rosa Elefanten, und genau der steht dir vor Augen. Zweitens das Zuhören. Die große Kunst ist, zuzuhören, um zu verstehen, statt schon an der eigenen Antwort zu feilen.
Achte eine Woche auf deinen inneren Ton. Rede mit dir so freundlich, wie du mit einem guten Freund reden würdest.
Streich die doppelten Verneinungen. Sag "das ist gut" statt "nicht schlecht", dann bleibt das Positive im Kopf.
Was ich aus dem Gespräch mitnehme
- Eine echte Aufgabe macht das Leben lebendig, in jedem Alter.
- Sprich mit dir so freundlich wie mit einem Freund.
- Zuhören, um zu verstehen, verändert deine Gespräche.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Behalte eine Aufgabe, die dir etwas bedeutet, geh freundlich mit dir selbst um und hör anderen wirklich zu. Klaus schließt mit einem Satz vom Dalai Lama, unsere wahre Aufgabe sei es, glücklich zu sein. Und wer für sich selbst gut sorgt, kann auch für andere da sein.
Das war das Gespräch mit Klaus Brill. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.