Miteinander sind wir stark, was ein Nagelbild über Erfolg lehrt | mit Daisy Papp
Daisy Papp ist Künstlerin, Autorin und Trainerin. Hinter ihr hängt ein Bild aus tausenden Stahlnägeln, an dem sie über hundertfünfzig Stunden gehämmert hat. Ein Gespräch über die Botschaft dieses Werks, über Vertrauen und darüber, warum wir vor allem miteinander stark sind.
Erfolg ist das, was auf dein Tun folgt
Daisy definiert Erfolg ganz wörtlich als das, was auf ein Tun folgt, auf das, was man denkt und schafft. Für sie ist Erfolg sehr subjektiv und leicht messbar, im Kleinen wie im Großen. Für den einen ist es, morgens aufzustehen, für den nächsten, das Unkraut zu zupfen, für den übernächsten, Kinder großzuziehen. Jeder darf das für sich selbst wählen.
Ein Bild aus tausenden Nägeln
Das Werk hinter ihr misst einen Meter mal einen Meter und besteht aus acht Zentimeter langen Stahlnägeln. Zum Zentrum hin werden die Nägel weniger, sie rücken zusammen. Für Daisy heißt das, miteinander sind wir stark. Krumme Nägel passten nicht ins Bild, sie legt sie zur Seite. Daraus zieht sie ein Bild für den Menschen. Wer geradlinig ist, findet leichter seinen Platz, und geradlinig zu sein schließt kreative, bunte und humorvolle Ideen überhaupt nicht aus.
Integrität heißt ganz sein
Das Rückgrat, von dem sie spricht, meint Integrität, und Integrität bedeutet für sie Ganzsein. Ehrlich sein, anständig handeln, Gutes tun und anderen nichts zufügen, was man selbst nicht möchte. Sie versteht sich nicht als Moralapostel, es geht ihr um schlichte menschliche Werte.
Vertrauen kann man messen
Aus dieser Haltung ist ihre 5-plus-2-Lebensformel entstanden, über die sie auch ein Buch geschrieben hat. Die fünf Punkte sind Rücksichtnahme, Bewunderung, Respekt, Empathie und Würde. Dazu kommen zwei weitere, zu seinem Wort zu stehen und es termingerecht einzulösen. Daran, sagt Daisy, lässt sich Vertrauen einschätzen. Vertrauen wird verdient und gelernt, es fällt einem nicht einfach zu.
Jeder lebt in seiner eigenen Insel
Inspiriert von Vera F. Birkenbihl arbeitet Daisy mit dem Inselmodell. In dieser Insel liegt alles, was wir erlebt haben, und vor allem, wie wir es bewertet haben. Sie empfiehlt, ab und zu eine Inventur zu machen und zu schauen, was da eigentlich drin liegt. Vieles ist längst nicht mehr aktuell, manches haben wir nur von anderen übernommen. Ihr Australien-Beispiel bringt es auf den Punkt. Sie wanderte aus und merkte nach zwei Wochen dieselbe Dynamik wie zuvor, weil sie sich selbst mitgenommen hatte.
Sechs oder neun, beide haben recht
Ein einfaches Bild aus ihrer Praxis hat mich überzeugt. Legt man eine Ziffer auf ein Blatt, sieht der eine eine Sechs, der andere eine Neun. Beide haben recht, je nach Seite. Für Daisy heißt das, Brücken zu bauen und einmal auf die Insel des anderen zu schauen. So gelingt das Einigsein im Nicht-einig-sein. Man kann sich mögen, auch ohne dieselbe Meinung zu haben.
Zwei Energietöpfe und die Macht der Worte
Ein Gedanke von Daisy bleibt hängen. Es gibt einen guten und einen weniger guten Topf, und worüber wir sprechen, das nähren wir. Was nicht gut ist, darf man klar benennen, doch wer nur darüber redet, füttert den falschen Topf. Sie plädiert dafür, die Sprache bewusst zu wählen und dabei das Gute zu stärken. Für sie sind wir alle Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit.
Mach eine kleine Inventur deiner Insel. Frag dich bei einer alten Überzeugung, ist das noch meins und noch aktuell?
Zeig jemandem eine Sechs auf einem Blatt und frag, was er sieht. Von seiner Seite ist es eine Neun. Ein einfaches Bild dafür, dass beide recht haben können.
Was ich aus dem Gespräch mitnehme
- Erfolg ist, was auf dein Tun folgt, im Kleinen wie im Großen.
- Vertrauen lässt sich an konkretem Verhalten messen.
- Worüber du sprichst, das nährst du.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Achte auf deine Worte, mach ab und zu Inventur, und geh davon aus, dass der andere die Welt aus seiner Insel sieht. Daheim, sagt Daisy, ist sie in sich selbst, unabhängig davon, wo auf der Welt sie gerade ist. Genau da beginnt das Miteinander.
Das war das Gespräch mit Daisy Papp. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.