Warum Erfolg sich wandelt, von der Bühne ins Klassenzimmer | mit Corinna Gönner
Corinna Gönner hat klassischen Gesang studiert, sich unter fast zweihundert Bewerbern einen Studienplatz ersungen und steht heute als Lehrerin vor der Klasse. Ein Gespräch über einen Weg, der alles andere als geradlinig war, und über die Frage, was Erfolg eigentlich ist, wenn er sich immer wieder verändert.
Erfolg ist Ziel plus Zufriedenheit
Für Corinna ist Erfolg etwas Wandelbares. Sie beschreibt ihn als das Gefühl, ein Ziel erreicht zu haben, das man sich vorher gesetzt hat, und danach wirklich zufrieden zu sein. Diese Zufriedenheit ist ihr Maßstab. Was einem heute als Erfolg genügt, kann sich morgen anders anfühlen, und dann setzt man sich neue Ziele.
Die Aufnahmeprüfung, die alles möglich machte
Ursprünglich studierte Corinna Lehramt, doch ihr Herz schlug fürs Singen. Also bewarb sie sich an Musikhochschulen, unter anderem in Rostock, am anderen Ende Deutschlands. Ein kalter, dunkler Januarmorgen, um neun Uhr ging es los, fast zweihundert Bewerber, alle nervös. Auf ihrem Programm stand ausgerechnet die Königin der Nacht, die sie auch singen sollte. Weil sie so weit weg war und niemanden kannte, ging sie mit einer Haltung hinein, die sie später selten wieder so traf: nichts zu verlieren, einfach all in.
Wie sie sich auf die Bühne vorbereitet
Ihr wichtigster Grundsatz ist die Vorbereitung. Man sollte sein Stück zu zweihundert Prozent beherrschen, damit man im Auftritt auch bei starker Nervosität noch neunzig Prozent abrufen kann. Vor dem Auftritt wird Corinna ganz still und in sich gekehrt, während andere sich lautstark aufwärmen. Ihr Satz dazu ist einfach: In der Ruhe liegt die Kraft. Auch ich kenne das aus meiner Theaterzeit, dieser stille Tunnel kurz vor dem ersten Ton.
Auf der Bühne ganz bei sich
Auf der Bühne ist Corinna sie selbst, nur ein Teil von ihr, der im Alltag manchmal zu kurz kommt, darf dort ganz heraus. Für sie lebt Musik davon, dass ein Hauch der eigenen Verfassung mit einfließt. Etwas nur abzuspulen, weil man es zum zweihundertsten Mal singt, findet sie fast bitter. Genau das macht den Unterschied, warum man einer Person gerne zuhört und einer anderen weniger.
Der Rat, der alles verschob
Trotz eines erfolgreichen Studiums kamen die Existenzängste, die viele in diesem Beruf kennen. Über den Umweg des Referendariats landete Corinna in Berlin. Ein Erlebnis brachte den Wendepunkt. An seinem letzten Arbeitstag gab ein Opernchorsänger den jungen Kollegen einen Rat: Geh in den Chor, fall bloß nicht auf, schwimm mit der Masse mit. Für Corinna wurde dieser Rat zum Augenöffner. Sie wollte etwas beizutragen haben, und von da an fasste sie in der Schule Fuß.
Die Bühne im Klassenzimmer
Heute hat Corinna jeden Tag ihre Bühne. Sie kann Schülern etwas mitgeben, ein Schneeball-Effekt, wie sie sagt. Ein kleines Ritual zeigt das gut. Statt eines gemurmelten Grußes wünscht sie einen wunderschönen guten Morgen, und die Klasse antwortet genauso. Aus einer Klasse wurde die ganze Schule. Wenn sie ihre eigene Leidenschaft für Musik sichtbar vorlebt, fällt es auch den Kindern leichter, zu ihrer zu stehen, ob das Fußball, Programmieren oder etwas ganz anderes ist. Inzwischen gehört sie zum Schulleitungsteam.
Bereite dich auf deinen wichtigen Moment so gründlich vor, dass du selbst unter Druck noch souverän abrufen kannst.
Frag dich ehrlich, wofür dein Herz schlägt. Steh zu dieser Leidenschaft, auch wenn dein Weg dadurch weniger geradlinig wird.
Was ich aus dem Gespräch mitnehme
- Erfolg ist Zufriedenheit, und die darf sich verändern.
- Ein Lebenslauf muss nicht geradlinig sein.
- Leb deine Passion, sie steckt andere an.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Trau dich, zu deiner Leidenschaft zu stehen, und hadere nicht, wenn dein Weg anders verläuft als geplant. Oft führt gerade der Umweg genau dorthin, wo du hingehörst.
Das war das Gespräch mit Corinna Gönner. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.