Hochsensibilität als Superkraft nutzen | mit Thomas Selenko
Diese Folge mit Thomas Selenko dreht sich um Hochsensibilität. Thomas ist Gründer und Leiter des Instituts für Hochsensibilität, das er in wenigen Jahren zu einer festen Größe im deutschsprachigen Raum aufgebaut hat. Er erklärt, was Hochsensibilität ist, woran du sie erkennst und wie aus einer vermeintlichen Schwäche eine echte Stärke wird. Das ist seine persönliche Sicht und die seines Instituts, kein Ersatz für eine eigene Beratung.
Was Erfolg für ihn bedeutet
Für Thomas heißt Erfolg, die eigene Berufung zu leben und daraus ein Beitrag zu sein. Er beobachtet, wie viele Menschen ihren Job als lästige Pflicht von Montag bis Freitag sehen und dabei viel Tiefe und Potenzial verlieren. Erfolg ist für ihn, etwas voranzubringen, das auf den eigenen Werten steht, und aus der eigenen Erfahrung etwas zurückzugeben.
Was Hochsensibilität ist
Hochsensibilität ist für Thomas ein angeborenes, vererbtes Merkmal des Nervensystems, keine Diagnose. Etwa jeder Vierte bis Fünfte ist betroffen, ein großer Teil der neurodivergenten Menschen. Weil ADHS und Autismus als Diagnosen bekannter sind, kennen viele den Begriff Hochsensibilität noch gar nicht. Entdeckt hat Thomas seine eigene Feinfühligkeit eher zufällig, vor gut zehn Jahren, kurz nachdem er in einem großen Unternehmen die Reißleine gezogen hatte.
Woran du sie erkennst
Trennscharf ist das nicht, sagt Thomas, es ist individuell verteilt. Manche sind vor allem auditiv empfindlich, andere visuell, viele sensitiv, sie spüren die Stimmung eines Menschen, sobald er den Raum betritt. Hochsensible denken oft zwei, drei Schritte voraus, stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück und passen sich an. Dazu kommt ein hoher Perfektionismus, viele sind ihre eigenen härtesten Kritiker. Einen ersten Anhaltspunkt geben Tests und gute Bücher, und oft stoßen Eltern über die Hochsensibilität ihres Kindes auf die eigene.
Warum Regulation der Schlüssel ist
Thomas löst ein Missverständnis auf. Viele erwarten fünf Techniken zur harten Abgrenzung. Sein Ansatz ist ein anderer. Wer wirklich bei sich bleibt und sein Nervensystem regulieren kann, muss sich kaum noch abgrenzen und spürt viel früher, wo die eigene Grenze liegt. Er nutzt das Bild vom vollen Fass. Bei vielen Hochsensiblen ist es dauerhaft randvoll, das System steckt im Dauerstress. Dann reicht schon eine Actionszene im Film, um es überlaufen zu lassen.
Wie das Institut entstand
Angefangen haben Thomas und seine Kollegin Miriam 2019 mit einzelnen Coachings für hochsensible Frauen. Aus mehreren hundert Begleitungen wurden größere Workshops, einer davon mit über fünfhundert Teilnehmern online. Heute steht dahinter ein Team von rund zwanzig Fachleuten, dazu eine medizinische Leitung, und das Institut ist nach eigener Angabe das einzige TÜV-zertifizierte seiner Art im deutschsprachigen Raum. Immer wichtiger wird ihm die Arbeit mit Bildungseinrichtungen, weil gerade dort viele Fachkräfte selbst hochsensibel sind.
Wie er mit Rückschlägen umgeht
Selbstständigkeit ist für Thomas der intensivste Weg der persönlichen Entfaltung, mit steilen Phasen und mit harten Learnings. Sein Antrieb ist ein starkes Wofür, das aus der eigenen Geschichte kommt, inklusive schwerer Schulzeit und Beinahe-Burnout. Er bleibt bewusst lösungsorientiert, zu jedem Problem gehört für ihn eine Lösung, auch wenn er sie noch nicht sieht. Fehlt ihm etwas, holt er sich jemanden, der genau das kann, so entstand auch sein erstes Buch.
Berufung ist kein Zufall
Ein Gedanke von Thomas bleibt hängen. In seinen Workshops fragt er, wie viele beruflich wirklich erfüllte Menschen die Teilnehmer kennen. Die Antwort liegt oft bei einer Handvoll. Für ihn zeigt das weniger ein persönliches Versagen als ein Muster in der Art, wie wir aufwachsen und ausgebildet werden. Sein Appell: Nimm die Zeit, die du im Beruf verbringst, ernst und such nach dem, wofür du wirklich da bist.
Wenn du vermutest, hochsensibel zu sein, mach einen der gängigen Tests und beobachte dich ein paar Tage. Wo saugst du Reize auf wie ein Schwamm, und wann tut dir eine Pause gut?
Nimm dir beim nächsten vollen Tag bewusst einen Moment nur für dich, bevor das Fass überläuft. Eine kurze Pause, ein Spaziergang oder einmal offline.
Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt
- Hochsensibilität ist ein verbreitetes Merkmal, keine Schwäche.
- Statt harter Abgrenzung hilft, das eigene Nervensystem zu regulieren.
- Wer seine Berufung lebt, gibt aus voller Kraft mehr zurück.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Feinfühligkeit ist eine Gabe, sobald du lernst, gut mit dir umzugehen. Wer bei sich bleibt, wirkt klarer, gerade in einer Zeit, die lauter und digitaler wird.
Das war die Folge mit Thomas Selenko. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.