Hochsensibilität als Stärke führen | mit Svenja Kunert
Diese Folge mit Svenja Kunert dreht sich um Hochsensibilität. Svenja ist Vizepräsidentin des Instituts für Hochsensibilität, führt eine familientherapeutische Praxis und hat die erste Schule für hochsensible Kinder mit auf den Weg gebracht. Sie erklärt, was Hochsensibilität wirklich bedeutet, woran du sie bei Kindern und bei dir selbst erkennst und wie aus einer vermeintlichen Schwäche eine Stärke wird. Das ist ihre fachliche Sicht, kein Ersatz für eine eigene Beratung.
Was Erfolg für sie bedeutet
Für Svenja heißt Erfolg, verbunden zu sein. Mit sich selbst in Verbindung bleiben, auch wenn es ruckelt und das Außen lauter wird. Immer wieder zu sich zurückzufinden, das ist für sie der Kern. Genau da beginnt auch ihre Arbeit mit feinfühligen Menschen.
Was Hochsensibilität wirklich ist
Svenja räumt mit einem Missverständnis auf. Hochsensibilität ist keine Diagnose und gehört nicht in die esoterische Ecke. Sie ist ein Temperamentsmerkmal, wissenschaftlich gut belegt, und betrifft nach ihrer Aussage rund zwanzig Prozent der Menschen. Am besten stellt man es sich als Spektrum vor. Manche nehmen Reize sensorisch stärker wahr, andere vor allem Emotionen und Stimmungen. Svenja selbst spürt sofort, wie die Stimmung in einem Raum ist.
Woran du sie bei Kindern erkennst
Bei Kindern zeigt sich Hochsensibilität oft an den Übergängen, beim Start in Kita oder Schule. Reize wirken stärker, Menschenmengen überfordern schneller, manche Kinder weinen viel oder ziehen sich zurück, andere fallen durch lautes Verhalten auf. Ein Klassiker ist die Socke, deren Naht drückt, oder das Schildchen im Shirt, das raus muss. Für Svenja ist das kein Anstellen. Es ist ein klares Signal, genauer hinzuschauen.
Wenn Eltern sich selbst wiedererkennen
Ein Muster begegnet Svenja immer wieder. Kommen Eltern mit ihrem Kind, fangen sie oft selbst an zu reflektieren und merken, das kenne ich doch aus meiner eigenen Kindheit. Viele hochsensible Erwachsene sind echte High Performer, die alles geben und irgendwann aus den Latschen kippen. Sobald sie das erkennen, kann sich im ganzen Familiensystem etwas verändern.
Warum sie eine Schule gegründet hat
Der Anstoß war privat. Als Svenjas älteste Tochter zum Schulstart sagte, da gehe ich nicht hin, war klar, es musste eine Lösung her, die das Kind nicht unter Druck setzt. So entstand die Idee einer Schule, an der hochsensible und neurodivergente Kinder in Sicherheit lernen, ohne eine Käseglocke über sich. Denn ohne Sicherheit, sagt Svenja, kann niemand wirklich lernen. Gemeinsam mit Kolleginnen und dem Institut für Hochsensibilität wurde daraus eine echte Schule auf dem Darß an der Ostsee, die im August öffnet.
Von der Überforderung zur Stärke
Svenjas Kernbotschaft ist ein Perspektivwechsel. Führe deine Sensibilität selbst, statt dich von ihr führen zu lassen. Wer diesen Schritt geht, macht aus der Reizoffenheit eine Gabe, gerade in Berufen, in denen Feingefühl zählt. Genau solche Menschen bildet das Institut zu Coaches aus, die Ausbildung dauert sieben Monate.
Wenn dir vieles zu viel wird, nimm dir einen kurzen Moment zur Regulation, eine bewusste Atemübung oder ein paar Schritte an die frische Luft, bevor du weitermachst.
Frag dich bei deinem Kind oder bei dir selbst einmal anders. Was braucht diese Feinfühligkeit gerade, statt was stimmt hier nicht.
Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt
- Hochsensibilität ist ein Temperamentsmerkmal, keine Schwäche.
- Kinder zeigen mit ihrem Verhalten ehrlich, wenn etwas zu viel ist.
- Mit Sicherheit und Regulation wird aus Feinfühligkeit eine Stärke.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich dieses Gespräch auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Feinfühligkeit ist eine Gabe, die Führung und einen sicheren Rahmen braucht. Wer das erkennt, hilft sich selbst und den Kindern um sich herum.
Das war die Folge mit Svenja Kunert. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.