PODCAST-FOLGE

Beziehungsangst, warum wir vor Nähe fliehen | mit Corina Austrup

Folge 47 · Teil 1 von 2 mit Corina Austrup
Die Reihe mit Corina Austrup
Teil 1 · du bist hier Teil 2

Erster Teil mit Corina Austrup. Sie hat vom Business- und Transformationscoaching zum Thema Beziehung gewechselt, weil bei allem, was sie coacht, am Ende genau das herauskommt. In diesem Gespräch geht es darum, warum die Beziehung zu dir selbst die wichtigste ist, warum viele Menschen vor Nähe fliehen, sobald es ernst wird, und wie man sich beim Dating ehrlich zeigt. Das ist Corinas Sicht aus ihrer Arbeit als Coach, kein Ersatz für eine eigene Beratung.

Die wichtigste Beziehung ist die zu dir selbst

Für Corina hängt fast alles an Beziehungen, zu den Eltern, zu Kollegen, zu Geschwistern, zur Partnerschaft. Ganz oben steht für sie die Beziehung zu dir selbst. Wer sich selbst kaum kennt und schlecht mit sich umgeht, tut sich mit jeder anderen Beziehung schwer. Genau da fängt für sie auch Erfolg an, und man sieht es einem Menschen von außen an.

Erfolg beginnt bei der Beziehung zu dir selbst.

Woran du einen guten Coach erkennst

Frank spricht den überfüllten Coaching-Markt an, ein Haifischbecken, wie Corina sagt. Ihr erster Maßstab ist wieder eine Beziehung. Du spürst, ob dich jemand abholt oder ob nichts passiert. Sie arbeitet traumasensibel, also an der Wurzel, dort wo etwas entstanden ist. Man kann am heutigen Problem arbeiten, doch solange die Wurzel bleibt, tut es weiter weh. Ihr Ziel ist, die Kindsperspektive zu verlassen, die uns in Beziehungen immer wieder triggert, und im Hier und Heute anzukommen.

Wird die Wurzel nicht gezogen, tut es immer noch weh.

Warum Menschen sich ihr öffnen

Corina hat eine Fähigkeit, die sie nach eigener Aussage nicht gelernt hat. Schon an der Bushaltestelle sprechen Fremde sie an, und in ihrem Kosmetikinstitut, das sie seit fünfundzwanzig Jahren führt, erzählen ihr Menschen ihre Lebensgeschichte, ohne dass sie fragt. Sie erklärt es mit einer Art, die nicht wertet. In dem Moment, in dem du ihr etwas erzählst, ist sie ein ungeschriebenes Blatt und ganz bei dir. Aus echter Neugierde entsteht das Gefühl, gesehen zu werden.

Mitfühlen, ohne mitzuleiden

Wie schafft sie es, all das nicht mit nach Hause und ins Bett zu nehmen? Ihre Antwort ist klar, gar nicht. Sie kann mitfühlen, ohne mitzuleiden. Die Emotionen berühren sie, doch sie bleiben nicht ihre. Ihr Satz dazu passt in jeden Beruf: Ich bin nicht mein Job, ich mache einen Job. Sie vergleicht es mit einer Pflegekraft im Hospiz, die jeden Tag mitleiden würde und nach einer Woche ausgebrannt wäre. Diese Abgrenzung hat sie über die Jahre im Kosmetikinstitut gelernt, sie war nicht immer da.

Warum wir vor Nähe fliehen

Das Muster, das Corina am meisten fasziniert, ist die Nähe-Distanz-Dynamik. Viele wünschen sich von Herzen einen Menschen, und sobald er da ist, rennen sie weg. Die Ursache liegt für sie meist in der Kindheit, oft in den ersten sieben Jahren. Wer damals erlebt hat, dass Nähe einengt, etwa durch Eltern, die mit ihrer Liebe erdrückt haben, verknüpft Nähe mit Kontrollverlust. Solange nichts ernst wird, ist alles gut. Sobald jemand zusammenziehen oder verbindlich werden will, kippt es, und die Flucht beginnt, auf einmal keine Zeit, auf einmal Stunden bis zur Antwort.

Sobald es ernst wird, kippt bei vielen das Interesse.

Gemeinsam einsam

Ein Bild, das Corina oft sieht, sind zwei Menschen, die im Bett liegen und jeder auf sein Handy schaut. Man organisiert Termine, sagt gute Nacht, funktioniert. Über sich selbst spricht man nie. Aus dem Paar sind zwei Kumpels geworden, die vielleicht Kinder haben. Ihre Warnung dazu: Hoffnung ist der schlechteste Berater, weil man nicht mehr hinschaut, was wirklich ist, und darauf wartet, dass es von allein wieder wird wie früher.

Beim Dating ehrlich zeigen

Für Singles hat Corina einen klaren Rat. Verbindung ist eine Entscheidung, trotz der großen Auswahl online. Wer nach außen nur etwas Lockeres signalisiert, bekommt genau das. Sie würde einfach schreiben, ich suche eine Beziehung, dazu ehrlich, was man nicht will. Normale Fotos statt durchgestylter Bilder, weil so sieht tagsüber niemand aus. Wer sich echt zeigt und klar sagt, was er sucht, findet eher das Passende. Nebenbei spart es allen Zeit.

Zum Ausprobieren

Schau bei deinem nächsten Rückzug ehrlich hin. Ziehst du dich zurück, weil etwas wirklich nicht passt, oder weil es gerade ernst und verbindlich wird?

Wenn du auf einer Plattform unterwegs bist, schreib klar, was du suchst und was nicht. Das zieht die Passenden an und spart dir viele Umwege.

Franks drei Learnings

Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt

  1. Die Beziehung zu dir selbst entscheidet über alle anderen.
  2. Wer vor Nähe flieht, schützt oft ein altes Gefühl aus der Kindheit.
  3. Mitfühlen statt mitleiden schützt dich in jedem Beruf.

Was du mitnehmen kannst

Wenn ich diesen ersten Teil auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Vieles, was in Beziehungen schiefläuft, hat mit alten Mustern und mit der Beziehung zu uns selbst zu tun. Wer die erkennt, tappt seltener in dieselbe Falle.

Das war Teil 1 von zwei mit Corina Austrup. In Teil 2 geht es um Kommunikation, um Erziehung und um die Rolle der KI. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.