Mal dich frei, raus aus dem Gedankenchaos | mit Ute Dungel
Ute Dungel ist Erzieherin, Kunsttherapeutin und die Freimalerin. In diesem Gespräch geht es darum, was Malen mit Entspannung und Erfolg zu tun hat. Um den Weg von der Kindergärtnerin zur eigenen Academy, um freies Kritzeln als Werkzeug gegen das Gedankenchaos und darum, wie du dir deinen Weg im Kleinen erschaffst.
Erfolg heißt, das zu tun, was du liebst
Utes erste Definition von Erfolg war ein voller Kontostand, reisen können, sich um Geld keine Gedanken machen. Heute sieht sie das anders. Erfolg ist für sie, das tun zu können, was sie liebt, Menschen zu bereichern und zu inspirieren. Ihr größter Erfolg ist, wenn andere wieder ein Strahlen in den Augen haben und ihren eigenen Weg gehen. Sie versteht sich als kleiner Wassertropfen, der dazu beiträgt.
Von der Kindergärtnerin zur Freimalerin
Ihre Berufung hat Ute schon als Kind erkannt. In einem ersten Kindergarten fühlte sie sich unwohl und eckte an, im zweiten wurde sie so angenommen, wie sie ist, und blühte auf. Ihre Erzieherin wurde ihr Vorbild. Später arbeitete sie selbst als Erzieherin, spürte aber, dass das starre System nicht zu ihr passte, und arbeitete viel an der Persönlichkeit der Kinder und an den Familien. In der Corona-Zeit gründete sie Utes Art Academy. Schnell merkte sie, dass die Kinder gern malten, die Erwachsenen dahinter aber im Stress steckten. Genau das hat sie angetrieben, auch die Eltern wieder in ihre Balance zu bringen.
Was Freimalen ist
In der Kunsttherapie hat Ute für sich das freie Malen entdeckt, mit geschlossenen Augen drauflosmalen, das, was das Herz sagt. Alte Themen sah sie durch die Bilder auf einmal aus einer neuen Perspektive, und der Druck war weg. Das Besondere daran ist die Freiheit von Bewertung. Es gibt kein Gut, kein Schlecht, kein Hässlich. Du findest einfach deinen eigenen Ausdruck und lernst dich dabei neu kennen.
Ein Werkzeug für den Alltag
Man kann schon während eines Telefonats oder bei einer Denkblockade anfangen zu kritzeln, frei wie ein Kind. Aus dem Chaos im Kopf wird eine Linie, und der Linie kann man folgen, hin zur Klarheit. Es braucht nur ein Blatt Papier und einen Stift, das geht im Bus, im Wartezimmer, überall. Im Stau rät Ute allerdings eher zur Atmung als zum Stift. Tief in den Bauch atmen, kurz halten, ausatmen, ein paar Mal, bis es ruhiger wird. Oder sich innerlich ein Bild malen, eine Farbe für den Tag wählen, sich kurz an einen schönen Ort träumen. Der Körper reagiert schnell und geht in ein besseres Gefühl.
Gefühle rauslassen statt unterdrücken
Ute unterdrückt keine Wut mehr, sie malt sie raus, schreibt sie auf oder bewegt sich. Auch ein Wutbild ist erlaubt, mit allen Schimpfworten, die man loswerden will. Sie selbst musste einmal bewusst das hässlichste Bild ihres Lebens malen, um aus dem Zwang zum Schönen herauszukommen. Der erste Schritt ist, im Alltag überhaupt zu erkennen, welches Gefühl gerade da ist und ob es das eigene ist. Wer das wahrnimmt, kann besser damit umgehen.
Erfolg braucht Zeit und Geduld
Den schnellen Erfolg, den viele versprechen, sechs Wochen und dann fünfstellig, gibt es aus Utes Sicht so nicht. Vieles hängt an den kleinen, unsichtbaren Schritten und an der inneren Arbeit. Ihr Bild dafür ist ein Glas, das sich Tropfen für Tropfen füllt, während wir ungeduldig sofort das volle Glas sehen wollen. Auch der Weg selbst verläuft nie steil bergauf. Es geht auf und ab, mit Pausen, aber stetig nach oben. Und die, die du gestern warst, bist du heute schon nicht mehr, weil jeder kleine Schritt dich verändert.
Wenn der innere Saboteur sich meldet
Gegen die alten Muster, Perfektionismus und Ungeduld, hat Ute einen schönen Weg gefunden. In einem Workshop haben sie die inneren Saboteure als Geister gemalt, ihnen einen Namen gegeben und sie sichtbar gemacht. Denn oft ist die Angst größer als das, was wirklich dahintersteckt. Und dann die eine Frage: Ist das wirklich wahr? Was ist gerade, wo bin ich gerade? Das wirkt wie ein Stopp mitten im Gedankenstrudel.
Nimm bei der nächsten Denkblockade ein Blatt und einen Stift und kritzel einfach drauflos, ganz ohne Bewertung.
Wenn dich ein Gedanke stresst, frag dich ehrlich: Ist das wirklich wahr? Und gib deinem inneren Saboteur einen Namen.
Was ich aus dem Gespräch mitnehme
- Lass deine Kreativität raus und kritzel dich frei.
- Atme tief durch, wenn du im Stau oder unter Druck stehst.
- Gib deinem inneren Saboteur einen Namen und mach ihn sichtbar.
Was du mitnehmen kannst
Für Ute beginnt Erfolg damit, dich selbst besser zu verstehen. Wer bist du gerade, gefällt dir das, wo willst du hin? Wenn du unsicher bist, frag andere, wie sie dich wahrnehmen, denn oft ist gerade das, was dir selbstverständlich vorkommt, dein größtes Talent. Und dann geh den nächsten kleinen Schritt, statt auf die eine große Vision zu starren. Wenn du heute alles gibst, folgt der Morgen.
Das war das Gespräch mit Ute Dungel. Die ganze Folge gibt es oben als Video.