PODCAST-FOLGE

Paartherapie, warum sichere Bindung dich freier macht | mit Susanne Schultes

Folge 50 · Teil 1 von 2 mit Susanne Schultes
Die Reihe mit Susanne Schultes
Teil 1 · du bist hier Teil 2

Erster Teil mit Susanne Schultes, Paartherapeutin am Zürichsee. Sie ist seit 24 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet in ihrer Praxis in Meilen und online. In diesem Gespräch geht es um die Frage, was Erfolg in einer Beziehung überhaupt bedeutet, warum viele Streits gar nicht um das Thema gehen, über das gestritten wird, und wie sie selbst zu diesem Beruf kam. Das ist ihre fachliche Sicht aus der Praxis, kein Ersatz für eine eigene Beratung.

Was Erfolg in einer Beziehung bedeutet

Für Susanne ist die Beziehung das Tor zu sich selbst. Sie erzählt vom Gelassenheitsgebet und dem Wunsch nach der Weisheit, das Änderbare vom Unänderbaren zu unterscheiden. Erfolg heißt für sie, im Prozess zu bleiben und die eigenen Themen zu erkennen, wenn es im Alltag knirscht. Meistens knirscht es sogar, bevor ihr klar wird, dass genau da ihr eigenes Wachstum liegt.

Meistens knirscht es, bevor du merkst, dass es dich weiterbringt.

Warum sichere Bindung dich freier macht

Das ist ihr Kernpunkt aus vielen Ausbildungen und aus der eigenen Praxis. Menschen entfalten sich dann am besten, wenn sie in einer wertschätzenden und akzeptierenden Beziehung leben. Wer sich sicher und angenommen fühlt, geht selbstbewusster und angstfreier nach außen. Das reicht bis in den Beruf. Wer sich zu Hause ständig wehren muss oder sich kritisiert fühlt, hat weniger Zugang zum eigenen Potenzial.

Wer sich sicher fühlt, geht freier durch die Welt.

Das Muster aus Druck und Rückzug

In den Paaren, die zu ihr kommen, sieht Susanne oft denselben Mechanismus. Meistens macht die Frau Druck und sucht Nähe, der Mann zieht sich aus Angst zurück, nicht zu genügen. Je mehr die eine Seite fordert, desto stiller wird die andere. Beide stecken im selben Kreis fest, obwohl jeder das Gegenteil erreichen möchte.

Was hinter dem Streit steckt

Für Susanne ist das kein Streit um die Spülmaschine oder ums Zähneputzen der Kinder. Dahinter liegt ein Bindungsalarm. Fühlt sich die eine Seite unsicher, meldet sich ein altes Gefühl, und sie fordert Beweise, dass der andere wirklich da ist. Der Rückzug des anderen ist ebenfalls ein Versuch, die Beziehung zu retten. Ihre Arbeit beginnt da, wo beide diese Not hinter dem Verhalten erkennen.

Runter von der Spülmaschine, hin zur eigentlichen Not.

Wie sie zu diesem Beruf kam

Susanne kommt ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich, sie hat in Banken und in der Buchhaltung gearbeitet. Der Wendepunkt kam mit ihrer Tochter. Über ein Kommunikationstraining nach Thomas Gordon lernte sie, klar und ohne Vorwurf zu sprechen, und ihr Familienklima entspannte sich spürbar. Daraus wurde eine Ausbildung zur Trainerin, später zur psychosozialen Beraterin mit eidgenössischem Fachausweis. Vor einigen Jahren kam die emotionsfokussierte Paartherapie dazu, das Werkzeug, das ihr für die Arbeit mit Paaren noch gefehlt hatte.

Klar über sich selbst sprechen

Ein Gedanke zieht sich durch das Gespräch. Viele haben nie gelernt, von sich selbst zu sprechen, zu sagen, was ihnen guttut und was sie wollen. Susanne beschreibt, wie das oft schon in der Kindheit abtrainiert wurde. Genau hier setzt sie an. Wer klar sagt, was er braucht, und gleichzeitig den anderen einlädt, kommt sich näher, statt sich zu verlieren.

Zum Ausprobieren

Geh beim nächsten Streit einmal weg von der Sachebene und frag dich, worum es eigentlich geht. Meistens steckt der Wunsch nach Nähe oder Sicherheit dahinter, kaum das Thema, über das ihr gerade redet.

Übe einen Satz, der von dir selbst spricht. Sag zum Beispiel, mir tut gut, wenn du mir zuhörst, statt einen Vorwurf zu formulieren.

Franks drei Learnings

Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt

  1. Wer sich sicher fühlt, tritt selbstbewusster auf, privat und im Beruf.
  2. Hinter Druck und Rückzug steckt bei beiden derselbe Wunsch, die Beziehung zu retten.
  3. Klar zu sagen, was mir guttut und was ich will, ist erlernbar.

Was du mitnehmen kannst

Wenn ich diesen ersten Teil auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Der meiste Streit dreht sich selten um das Thema an der Oberfläche. Dahinter geht es fast immer um Nähe und Sicherheit. Wer das erkennt, redet anders miteinander.

Das war Teil 1 von zwei mit Susanne Schultes. In Teil 2 geht es darum, wie sie mit Misserfolg umgeht und was du selbst tun kannst, wenn ein Muster festgefahren ist. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören. Mehr über Susanne Schultes findest du weiter unten.