Mit Dauerkrise zum Erfolg, warum Wachstum die Komfortzone kostet | mit Sascha Ehlers
Sascha Ehlers hat eine steile These. Wer wachsen will, braucht die Krise, und zwar mit Absicht. Im ersten Teil unseres Gesprächs erklärt der Energieberater und Bausachverständige, warum er sich selbst immer wieder aus der Komfortzone schubst, was er unter einer Dauerkrise versteht und wie er es geschafft hat, im Internet gefunden zu werden, statt Kunden hinterherzulaufen.
Was Erfolg für Sascha bedeutet
Bevor es um Krisen geht, stelle ich ihm die einfachste Frage. Was ist Erfolg? Für Sascha ist die Antwort klar. Morgens aufstehen und das tun, wozu man Lust hat, im besten Fall das, wofür man geboren ist. Nicht jeder Tag läuft so, manchmal muss er einen Kunden abarbeiten, der ihm weniger liegt, doch es bleibt sein Ding, und im Notfall kann er die Aufgabe abgeben. Genau dieses Gefühl, selbst zu bestimmen, was er tut und was nicht, ist für ihn schon der halbe Erfolg.
Warum er sich eine Dauerkrise schafft
Sein Kernwort klingt erst einmal abschreckend, Dauerkrise. Sascha meint damit etwas Konstruktives. Wachsen können wir nur außerhalb der Komfortzone, also schafft er sich bewusst eine Herausforderung, die noch erträglich ist, auf die er aber Lust hat. Für ihn heißt das, nie stehen zu bleiben und immer die nächste Stufe zu suchen, auch wenn er in seinem Fach längst erfolgreich war. Nach fünfzehn Jahren Selbstständigkeit hat er sich vor fünf Jahren noch einmal selbst am Kragen gepackt und gesagt, das kann es nicht gewesen sein.
Zehn Baustellen gleichzeitig
Ein Gedanke von Sascha war neu für mich. Statt eine Sache nach der anderen abzuarbeiten, nimmt er sich gleich mehrere vor, fünf bis zehn Punkte parallel. Videos aufnehmen, einen Podcast starten, die Webseiten verbessern. Der Trick dahinter ist die Verteilung. Du musst nicht bei jedem Punkt hundert Prozent geben, mal sind es zehn, mal neunzig. Nach einem halben Jahr, sagt er, sind die zehn Punkte trotzdem abgearbeitet. Wichtig ist ihm dabei, die Kräfte einzuteilen, damit aus dem Ehrgeiz kein Ausbrennen wird.
Gefunden werden, statt zu verkaufen
Saschas Erfolgsrezept hat einen Namen, Domain-Marketing. Nach eigener Aussage betreibt er rund zweihundert Domains und Landingpages, über die ihn Kunden im Internet finden. Das Ergebnis gefällt ihm sichtlich. Er wird angerufen, statt anzurufen, und kann sogar auswählen, wen er annimmt. Dahinter steckt eine Beobachtung, die er drastisch formuliert. Viele wollen gekauft werden, statt sich zu verkaufen. Gerade in seinem Feld, sagt er, machten viele die Ausbildung zum Energieberater oder Bausachverständigen und arbeiteten danach nie darin, weil ihnen die Kunden fehlen. Sein Weg führt über Sichtbarkeit und Vertrauen, über Videos und eine gute Landingpage, auf der man ihn kennenlernt.
Ausdauer und ihre Schwester Disziplin
Der zweite große Punkt ist Ausdauer. Erfolge geben ihm recht und den Mut weiterzumachen, sagt Sascha, und Disziplin ist für ihn die Schwester der Ausdauer. Beides hat aber eine Grenze. Man kann diszipliniert auch leeres Stroh dreschen, immer weiter auf etwas eindreschen, aus dem längst nichts mehr herauskommt. Von hundert Ideen, gibt er zu, hat er neunzig wieder fallen lassen, weil sie nichts brachten. Seine Regel ist deshalb nüchtern. Wenn etwas keine Resonanz findet und keiner anbeißt, lässt du es los und probierst das Nächste.
Der einfachste Anfang sind Videos
Wenn Sascha einen konkreten ersten Schritt empfiehlt, dann diesen. Nimm Videos auf, teile dein Wissen, mach kurze Shorts und schau, wie die Leute reagieren. Sein Tipp an einen Coachee war, erst zwanzig Überschriften zu schreiben und dann eine nach der anderen zu besprechen. Dabei lernst du zweierlei, was du eigentlich sagen willst und wie du auf andere wirkst. Seine ersten Videos hat er im Auto aufgenommen, weil er dort Zeit und einen bewegten Hintergrund hatte. Perfekt muss das nicht sein. Angefangen werden muss es.
Schreib dir zehn Punkte auf, die dein Geschäft wirklich voranbringen. Setz dir ein Ziel für die nächsten drei bis sechs Monate und leg mit einem einzigen los, zum Beispiel mit drei kurzen Videos in dieser Woche.
Denk dabei an Saschas Regel, du musst nicht bei jedem Punkt hundert Prozent geben. Teil deine Kräfte ein und bleib im Flow.
Familie als Wachstumsbooster
Ein Thema spricht Sascha überraschend offen an. Seine Familie, zwei Töchter auf dem Gymnasium, sieht er selbst als Teil seiner Dauerkrise, im guten Sinn. Die Kosten spornen ihn an, mehr geht immer. Sein Rezept für die Balance ist, dass jeder seinen eigenen Bereich hat. Seine Frau ist berufstätig, jeder hat sein Feld, und man muss nicht ständig zusammenhocken und heile Familie spielen. Ein paar Mal im Jahr Urlaub, dazwischen macht jeder seins. Ohne die Familie, sagt er, stünde er nicht da, wo er heute steht, weil sie ihm die letzten Prozent Antrieb gibt.
Im Flow bleiben
Zum Schluss bremst Sascha seinen eigenen Ehrgeiz ein Stück ab. Bei zehn Baustellen gleichzeitig muss man die Kräfte einteilen, sonst droht irgendwann ein Burnout, und das will keiner. Sein Maßstab ist der Flow. Wenn dir etwas gar keinen Spaß mehr macht, bist du vielleicht im falschen Bereich, dann lohnt sich ein ehrlicher Blick. Manchmal hilft auch das Gegenteil, sich kurz unter Druck zu setzen und die drei Videos dieser Woche einfach zu machen. Danach passt es wieder.
Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt
- Verlass regelmäßig die Komfortzone, sonst wächst nichts.
- Nimm dir mehrere Baustellen gleichzeitig vor und teil deine Kräfte klug ein.
- Fang mit Videos an und lass fallen, was keine Resonanz bringt.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich diesen ersten Teil auf einen Satz bringe, dann diesen. Wachstum tut ein bisschen weh, und genau deshalb lohnt es sich, die Komfortzone mit Absicht zu verlassen.
Das war Teil 1 von zwei mit Sascha Ehlers. Im zweiten Teil wird es konkret ums Geld, um das Finanzamt, um Selbstbewusstsein und um Immobilien. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören. Mehr über Sascha Ehlers findest du weiter unten.