PODCAST-FOLGE

Longevity ab 60, gesund älter werden ohne Druck | mit Dr. Ilse Marie Pokorny

Folge 69 mit Dr. Ilse Marie Pokorny

Mit über 60 hört Ilse Marie Pokorny nicht auf, sie fängt noch einmal an. Jahrzehntelang hat sie als Ärztin gearbeitet, jetzt startet sie einen eigenen Podcast und macht das Thema Longevity zu ihrer Aufgabe. In dieser Folge erzählt sie, wie sich 10 bis 20 gesunde Jahre gewinnen lassen und warum die zwei wirksamsten Mittel dafür nichts kosten. Ein ruhiges Gespräch über den Atem, das Nervensystem und die Frage, was du mit den gewonnenen Jahren anfängst.

Was Longevity überhaupt bedeutet

Longevity heißt übersetzt Langlebigkeit. Gemeint sind die gesunden Jahre, die Zeit, in der du körperlich und geistig fit bleibst, nicht bloß die Zahl im Ausweis. Für Ilse Marie ist das der Nachfolger von dem, was sie früher Anti-Aging nannte, ihrem eigenen Schwerpunkt über viele Jahre. Der Unterschied liegt für sie im Ton.

Der Longevity-Mainstream sei oft hart, kalt und technisch, hundert Biohacks am Tag, das ganze Leben allein darauf ausgerichtet, alt zu werden. Ilse Marie geht es lieber weich an, sanft und für jeden Menschen einzeln angepasst. Die Frage dahinter ist einfach: Was willst du in deinem Leben noch erleben? Damit, sagt sie, kannst du früh anfangen, mit 20 genauso wie in der zweiten Lebenshälfte.

Neu anfangen mit über 60

Ilse Marie hat jahrzehntelang Patienten begleitet, die mit ihr älter geworden sind. Irgendwann sah sie das Gleiche bei sich: eine neue Lebensphase steht an. Die Generation, die heute in die zweite Lebenshälfte kommt, ist gesund, kräftig, im Vollbesitz ihrer Kräfte. Aus dem Fenster schauen und spazieren gehen reicht ihr längst nicht mehr.

Also hat Ilse Marie ihre Arztkarriere beendet und noch einmal von vorne begonnen. Sie wollte selbstbestimmter leben, ihre Zeit selbst einteilen und sich mit den Themen beschäftigen, die für sie und ihre Community wirklich zählen. Was mich an ihrer Einstellung berührt hat, ist ein Satz, den ich ihr im Gespräch zugeschrieben habe und den sie sofort für sich annahm: Was Leute mit 20 können, kann sie schon lange.

Die zwei wirksamsten Mittel kosten nichts

Wir denken bei einem langen Leben oft an teure Nahrungsergänzung, Kältebäder und eine lange Liste von Biohacks. Ilse Marie setzt einen anderen Akzent. Von allen Longevity-Möglichkeiten nennt sie zwei als die wirksamsten: Stressreduktion und einen echten Lebenssinn. Beides kostet kein Geld und wirkt trotzdem am stärksten.

Den Lebenssinn beschreibt sie ganz praktisch, als die Frage, wofür du morgens aufstehst und was du in deinem Leben noch verwirklichen willst. Erfolg bedeutet für sie in dieser Phase, nicht aufzuhören zu träumen und andere Menschen dabei zu begleiten, ihre eigenen Träume zu finden. Wer aufhört zu träumen, sagt sie, verliert den Blick in die Weite.

Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint.

Der Kaffee, den keiner mehr in Ruhe trinkt

Eine kleine Szene aus dem Gespräch bleibt hängen. Ilse Marie wollte ihren Kaffee neulich in Ruhe trinken, aus einer richtigen Tasse, keinen To-go-Becher. Die Barista meinte nur, heute nehmen wir alles mit, wir sind hektisch, und je mehr wir zu tun haben, umso cooler kommen wir uns vor. Genau da liegt für Ilse Marie der Punkt. Wir wundern uns über den Dauerstress, den wir selbst zur Auszeichnung gemacht haben.

Sie bringt dazu ein Beispiel mit der künstlichen Intelligenz. Die KI nimmt uns vielleicht die Hälfte einer Aufgabe ab, aus acht Stunden werden vier. Was machen wir mit der gewonnenen Zeit? Wir füllen die vier freien Stunden sofort mit der nächsten Arbeit. Dabei könnten wir sie als geschenkte Zeit für uns selbst nehmen.

Das Leben als Marathon

Ilse Marie ordnet das in zwei Generationen ein. Ihre eigene sei mit fliegenden Fahnen ins Leben gelaufen und hat gearbeitet, als gäbe es kein Morgen. Irgendwann kam die Rechnung. Die große Burnout-Welle der vergangenen zwanzig, dreißig Jahre ist für sie kein Zufall. Sie sieht darin das Ergebnis dieses Tempos. Auf einmal merkt man, wie lang das Arbeitsleben wird, 40, 50, 60 Jahre, und die Energie fehlt.

Die junge Generation geht es anders an, mit mehr Blick auf die Work-Life-Balance und dem Wissen, dass man sich die Kräfte einteilen darf. Für Ilse Marie liegt die richtige Substanz irgendwo in der Mitte. Was zählen sollte, ist für sie die Qualität und das Ergebnis. Ob jemand acht oder zehn Stunden am Bildschirm sitzt, sagt darüber wenig aus.

Unser Körper ist ein Wunderwerk und ein wunderbares Geschenk.

Was der Atem verändert

Wenn Ilse Marie über konkrete Übungen spricht, landet sie schnell beim Nervensystem. Unser Körper steht durch die ständige Geschwindigkeit fast dauerhaft im Alarm, erklärt sie. Dieser Alarm kostet Kraft und begünstigt stille, leise Entzündungsprozesse. Fährst du ihn herunter, wird Energie frei, die dein Körper für die Regeneration nutzen kann. Der einfachste Weg dahin führt über den Atem. Über den Vagusnerv, den Hauptnerv des Entspannungssystems, kannst du dich mit bewusstem Atmen selbst beruhigen. Die Ausatmung soll dabei länger sein als die Einatmung. Ein großes Programm braucht es nicht. Es reicht, immer wieder kurz im Alltag zum Atem zurückzukehren.

Ich habe Ilse Marie im Gespräch erzählt, dass ich seit etwa zwei Jahren bewusst anders atme. Der Nebeneffekt hat mich selbst überrascht. Ich tauche inzwischen fast 25 Meter am Stück, einfach weil sich meine Atmung verändert hat. Für Ilse Marie ist genau das ein Beispiel, wie stark der Körper auf Ruhe im Nervensystem reagiert.

Zum Ausprobieren

Leg dein Telefon für eine Minute weg und atme bewusst. Atme ruhig ein und lass die Ausatmung etwas länger werden als die Einatmung. Mehr braucht es im ersten Schritt nicht.

Wiederhole das über den Tag verteilt, jeweils nur einen Moment. Ilse Marie sagt, schon dieses regelmäßige Zurückkehren zu dir selbst bringt dich deinem Körper wieder näher.

Was Leute mit 20 können, kann ich schon lange.

Gesund alt werden oder einfach nur alt?

Eine Frage zieht sich durch das Gespräch: Willst du alt werden oder gesund alt werden? Ilse Marie hat die letzten Jahre ihrer Großeltern erlebt, zehn, fünfzehn Jahre, oft ans Bett gebunden. Dieses Bild treibt sie an.

Beim Longevity geht es ihr um gesunde Lebensjahre, um eine zweite Lebenshälfte mit Aktivität und Lebensfreude. Die Forschung, sagt sie, sieht die Chance, die gesunde Lebensspanne um 10 bis 20 Jahre zu verlängern, und zwar durch das, was jeder selbst dafür tun kann. Wer will das nicht?

Wo Longevity gefährlich wird

So begeistert Ilse Marie von den Möglichkeiten ist, so klar benennt sie das Risiko. Das größte ist für sie der Druck. Der Druck, so aussehen zu müssen wie all die gefilterten Bilder auf Instagram. Alles, was Druck macht, macht Stress, sagt sie, und bringt dich weiter weg von deiner Selbstbestimmung.

Dazu kommt ein zweiter Punkt. Viele der neuen Behandlungen stecken noch in der Überprüfung. Was manche Biohacker und Longevity-Gurus vormachen, sind erklärte Selbstversuche und noch keine erprobte Medizin, oft ohne Wissen über die Langzeitwirkung. Besonders vorsichtig ist sie bei Eingriffen ins Genom, für sie dünnes Eis. Körpereigene Substanzen wie Vitamin D oder Peptide sieht sie in vernünftiger Dosis dagegen positiv. Das bleibt ihre ärztliche Einschätzung, keine Empfehlung für dich im Einzelfall.

Franks drei Learnings

Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt

  1. Atme bewusst und lass die Ausatmung länger werden als die Einatmung.
  2. Stressreduktion und ein echter Lebenssinn wirken stärker als jeder teure Biohack.
  3. Frag dich, ob du gesund alt werden willst, und fang früh damit an.

Was du mitnehmen kannst

Wenn ich die Folge auf einen Gedanken bringe, ist es dieser: Du kannst selbst etwas für deine gesunden Jahre tun, und der Anfang ist leichter, als er klingt. Ein bewusster Atemzug, eine echte Pause, eine ehrliche Frage nach deinem Sinn.

Am Ende haben Ilse Marie und ich schon eine zweite Folge verabredet, zum Thema Stoffwechsel und Detox, denn dabei steckt nach ihren Worten noch viel drin. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören. Mehr über Dr. Ilse Marie Pokorny findest du weiter unten.