Alles hinter sich lassen, ein Neuanfang nach der Sinnkrise | mit Simone und Jens Möller
Erster Teil mit Simone und Jens Möller. Sie sind seit über 27 Jahren ein Paar, er war Arzt, sie osteopathische Physiotherapeutin, mit einer gut laufenden Praxis in Deutschland. Trotzdem haben sie alles aufgegeben. In diesem Gespräch erzählen sie, was sie dazu bewogen hat, wie sich ihre Sinnkrise angefühlt hat und wie sie schließlich auf Zypern neu angefangen haben. Das ist ihre persönliche Geschichte, kein Patentrezept.
Was Erfolg für sie bedeutet
Für Simone und Jens ist Erfolg einfach beschrieben. Wenn wir unserem wahren Sein folgen, folgt der Erfolg von allein. Sie zitieren dazu einen Songtitel, der es auf den Punkt bringt, wenn du tust, was du liebst, kommt der Rest von ganz allein. Genau darum dreht sich ihre Geschichte, dem treu zu bleiben, was man wirklich liebt.
Eine Praxis, die gut lief, und trotzdem
2007 gründeten die beiden ihre erste Praxis, mitten in einer Zeit, in der alle von Krise sprachen. Sie führten Arztpraxis und osteopathische Physiotherapie zusammen und begleiteten Menschen dabei, Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Alles, was sie tun, machen sie mit hundert Prozent. Genau das hatte seinen Preis.
Die Sinnkrise mit fünfzig
Aus heiterem Himmel traf sie mit etwa fünfzig eine tiefe Sinn- und Lebenskrise, die sogar ihre Partnerschaft erschütterte. Sie hatten ihr ganzes Herzblut in den Aufbau gesteckt und dabei zu viele Kompromisse gemacht. 2016 zwang sie das innezuhalten. Es fühlte sich an, als hätten sie versagt, und sie fragten sich, was, wenn sie es nie schaffen würden. Online sahen sie täglich Menschen, die scheinbar das Leben ihrer Träume lebten, sie selbst aber nicht.
Loslassen und Abstand gewinnen
Ihr Ausweg war radikal. Sie schlossen die Praxen, ließen Familie und Freunde los und gingen auf unbestimmte Zeit nach Südamerika, um aus der Distanz auf ihr Leben zu schauen. Dort wurde ihnen schnell klar, was viele kennen, alles, was man nicht gelöst hat, nimmt man mit. Also kehrten sie zurück, um in Deutschland aufzuräumen, lebten eine Zeit in Österreich und der Schweiz und investierten viel in ihre Persönlichkeitsentwicklung.
Der Wendepunkt und der Weg nach Zypern
Die unsichere Zeit um 2021 wurde für die beiden zum Katalysator. Im Umfeld erlebten sie Distanz und Spaltung, und sie wollten den Umständen keine Macht mehr über sich geben. Sie wollten dort leben, wo sie sich als Unternehmer willkommen fühlen, am Mittelmeer, mit viel Sonne und frischem Obst und Gemüse. So wanderten sie nach Zypern aus und gründeten ihr Coaching-Business, um weltweit mit Menschen zu arbeiten, die ihre Freiheit ebenso lieben.
Warum eine gemeinsame Vision zählt
Aus der eigenen leidvollen Erfahrung ziehen sie eine Lehre. Als Paar braucht es eine gemeinsame Vision, die alle Lebensbereiche umfasst. Die größte Reise war am Ende die zu sich selbst, mehr als die um die Welt. Orientierung findet man im Inneren. Einer ihrer Mentoren gab ihnen einen Satz mit, der bis heute nachwirkt.
Mutig ankommen in einer neuen Kultur
Das Gefühl beim Absprung war vor allem eines, mutig. Ein Nest zu verlassen macht Angst, weil es Vertrautheit und Geborgenheit bedeutet. Auf Zypern haben sich die beiden bewusst integriert, den Kontakt zur Nachbarschaft gesucht und die griechisch-orthodoxe Kultur respektiert, ohne die eigenen Werte zu verbiegen. Als ihr Auto einmal nicht ansprang, stand der Mochtaris, der Dorfvorsteher, wenige Minuten später mit dem Starthilfekabel da. Ihr Fazit: Wer sich ehrlich interessiert und dankbar Gast ist, findet auch ohne perfekte Sprache eine Verbindung von Herz zu Herz.
Frag dich ehrlich, an welcher Stelle du gerade aus Gewohnheit Kompromisse machst, die dir eigentlich nicht guttun. Schreib einen davon auf und überlege einen ersten kleinen Schritt.
Wenn du an einen neuen Ort kommst, geh zuerst in echtes Interesse für die Menschen dort, bevor du vergleichst, wie es zu Hause war.
Was Frank aus dem Gespräch mitnimmt
- Auch ein gut laufendes Leben darf man verändern, wenn es nicht mehr passt.
- Was ungelöst bleibt, reist mit, ein Ortswechsel allein löst es nicht.
- Als Paar hilft eine gemeinsame Vision über alle Lebensbereiche.
Was du mitnehmen kannst
Wenn ich diesen ersten Teil auf einen Gedanken bringe, dann diesen. Ein mutiger Neuanfang beginnt mit der ehrlichen Frage, was man wirklich will. Wer sie sich stellt, kann auch Vertrautes hinter sich lassen.
Das war Teil 1 von zwei mit Simone und Jens Möller. In Teil 2 geht es darum, wie aus dem Traum ein konkreter Plan wird und was sie Menschen mitgeben, die selbst auswandern wollen. Die ganze Folge gibt es oben als Video und zum Anhören.